Sie protestierten gegen den Sparkurs des Konzerns und forderten höhere Löhne. Die Gewerkschaft wertet die Kundgebung als die bisher größte innerhalb der laufenden Warnstreikwelle in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

Der Ausstand reiht sich in eine breitere Protestbewegung ein: Die IG Metall rief Beschäftigte in 41 Betrieben der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zur Arbeitsniederlegung auf. Größere Kundgebungen sind zudem in Augsburg, Passau und Aschaffenburg geplant.

Was der Streik für Beschäftigte und Standort bedeutet

Für die Audi-Belegschaft in Ingolstadt und Neckarsulm steht mehr als die laufende Tarifrunde auf dem Spiel. Audi beruft sich gegenüber dem Betriebsrat auf die sogenannte Schlechtwetterklausel, um Gespräche über weitere Einsparungen zu führen. Diskutiert wird dabei auch eine mögliche Schließung des Werks Neckarsulm.

Audis IG-Metall-Vertrauenskörperleiterin Karola Rank verlangt deshalb eine belastbare Zukunftsperspektive für beide deutschen Standorte. Sie wirft der Führungsetage vor, sinkende Absatzzahlen nicht durch besseres Marketing und mehr Verkaufseinsatz ausgeglichen zu haben.

Warum die IG Metall von Respektlosigkeit spricht

Für zusätzliche Spannung sorgt im laufenden Konflikt ein Auftritt von Audi-Vorstandschef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump. IG-Metall-Landesbezirksleiter Horst Ott kritisierte diesen Auftritt scharf und hält den Zeitpunkt der angekündigten US-Produktionspläne für instinktlos gegenüber den deutschen Beschäftigten.

In den USA kündigte Döllner den Bau eines zusätzlichen Werks an. Ott bezeichnet den Ausbau einer US-Produktion an sich zwar als sachlich nachvollziehbar, hält den Zeitpunkt angesichts der deutschen Sparmaßnahmen aber für problematisch. Bislang verfügt Audi im Unterschied zu BMW und Mercedes-Benz über kein eigenes Werk in den USA.

Die Zahlen hinter dem Sparkurs

Der Hintergrund des Konflikts liegt auch in der wirtschaftlichen Lage des Konzerns. Audis Nettogewinn sank im dritten Quartal 2026 auf 95 Millionen Euro, ein Rückgang um rund 87 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Konzern senkte zudem seine Umsatzprognose für das laufende Jahr von zuvor bis zu 63 Milliarden Euro auf nun bis zu 59 Milliarden Euro.

Auch bei der Marge rechnet Audi inzwischen mit weniger: Die operative Rendite soll zwischen 3 % und 5 % liegen, nachdem die Erwartung zuvor höher lag. Diese Entwicklung erklärt aus Sicht des Konzerns den Druck, Kosten zu senken.

Worum es in der Tarifrunde konkret geht

In der laufenden Tarifrunde fordert die IG Metall für alle Beschäftigten eine Lohnerhöhung um 5 % bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende verlangt die Gewerkschaft zusätzlich 110 Euro mehr Vergütung.

Die Arbeitgeberseite bietet demgegenüber ein Angebot, das laut IG Metall unter der Inflationsrate liegt:

  • Eine Einmalzahlung in Höhe von einem Hundertstel des Bruttojahresgehalts im Sommer 2027.
  • Eine Tariferhöhung um 1,3 % im Sommer 2028.
  • Eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwei Jahren, während die IG Metall nur zwölf Monate fordert.
  • Keine gesonderte Erhöhung der Ausbildungsvergütung im Angebot der Arbeitgeberseite.

Über diesen Abstand zwischen Forderung und Angebot wird in den kommenden Verhandlungsrunden weiterverhandelt werden müssen. Für Beschäftigte in Ingolstadt und Neckarsulm bleibt dabei offen, welche Zukunft Audi seinen deutschen Werken zusichert, während der Konzern gleichzeitig den Aufbau einer eigenen US-Produktion vorantreibt.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.