Der österreichische Handelsverband hat am 6. Oktober 2026 eine Binnenmarkt-Beschwerde gegen die Paketsteuer in Österreich bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die Abgabe war nur fünf Tage zuvor, am 1. Oktober 2026, in Kraft getreten. Der Verband sieht darin einen Verstoß gegen die Warenverkehrsfreiheit im EU-Binnenmarkt.

Konkret wird der Fall des Elektronikhändlers Electronic4You: Das Unternehmen kündigte an, Investitionen in Österreich zu stoppen oder zu verschieben, weil sich die Rahmenbedingungen durch die neue Abgabe verschlechtert hätten.

Was die Steuer kostet

Nach Angaben des Handelsverbands zahlt ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt durch die Paketsteuer künftig rund 2,40 Euro zusätzlich pro Bestellung. Der Verband geht davon aus, dass die Abgabe jeden dritten heimischen Webshop betrifft und jede zweite Online-Bestellung verteuert.

Zum Vergleich: Durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel sparen Haushalte seit dem 1. Juli 2026 laut Verband im Schnitt rund 6 Euro im Monat. Diesem Effekt stellt der Handelsverband die neuen Mehrkosten durch die Paketsteuer gegenüber.

Folgen für Beschäftigte

Zwei vom Handelsverband beauftragte GAW-Impact-Analysen prognostizieren einen Verlust von 2.870 Arbeitsplätzen sowie einen jährlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von bis zu 360 Millionen Euro. Für den heimischen Handel bedeutet das laut Verband spürbaren Druck auf Investitionen und Beschäftigung, wie der Schritt von Electronic4You zeige.

Statistik Austria bestätigte für August 2026 bereits einen realen Umsatzrückgang im Einzelhandel. Der Handelsverband bringt diesen Rückgang mit der neuen Abgabe in Verbindung.

Stimmung in der Bevölkerung

Laut einer Befragung des Handelsverbands lehnen 70 % der Bevölkerung die Paketsteuer ab. 92 % der Befragten befürchten demnach durch die Abgabe höhere Endkundenpreise.

Vorwurf an die Politik

Die Beschwerde des Handelsverbands umfasst acht Seiten und legt dar, dass die Abgabe gegen wesentliche Regeln des europäischen Binnenmarkts verstößt.