In Österreich existieren über 200 Lehrberufe, von denen jungen Menschen aber meist nur eine Handvoll bekannt ist. Betriebe reagieren darauf zunehmend mit regional verankerten Formaten statt mit großen Messen. Entscheidend wird dabei immer öfter, wie weit der Ausbildungsplatz vom Wohnort entfernt liegt.

Für kleine und mittlere Unternehmen verändert das die Suche nach Nachwuchs grundlegend. Wer Lehrlinge gewinnen will, setzt zusätzlich zu digitalen Kanälen verstärkt auf persönliche Kontakte vor Ort.

Warum wird die Entfernung zum Betrieb so wichtig?

Jugendliche entscheiden sich für ihren Beruf und ihren Betrieb oft nach Empfehlung von Eltern, Großeltern, Geschwistern oder Freunden. Für 15- und 16-Jährige sind lange Arbeitswege dabei eine praktische Hürde, besonders im ländlichen Raum. Die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz ist für Unternehmen bei der Lehrlingssuche inzwischen ein bedeutsamer Faktor.

Manche Betriebe reagieren darauf mit sogenannten Lehrlingsshuttles: Sie holen Jugendliche an zentralen Punkten ab und bringen sie zum Ausbildungsplatz. Damit wollen sie die praktische Hürde langer Anfahrten verringern.

Welche Formate setzen Unternehmen bei der Suche ein?

Neben digitalen Aktivitäten, Social Media, Tagen der offenen Tür sowie Berufsinfo- und Lehrlingsmessen setzen Betriebe bei der direkten Ansprache verstärkt auf kleinere, regional verankerte Formate und persönliche Kontakte.

Monika Sandberger, Geschäftsführerin der Initiative zukunft.lehre.österreich (z.l.ö.), verlangt daher, dass alle Schultypen in Österreich eine verpflichtende, praxisnahe und ergebnisoffene Berufs- und Bildungsorientierung anbieten.

Wie bringt z.l.ö. Betriebe und Lehrlinge zusammen?

Die Initiative z.l.ö. organisiert das ganze Jahr über Austausch- und Vernetzungsveranstaltungen. Zum Einsatz kommen Webinare, Netzwerktreffen, Unternehmensbesuche, Workshops und Pressekonferenzen. Jahreshighlight ist der z.l.ö.-Lehrlingstag, der seit 2019 an wechselnden Standorten stattfindet.

Beim Lehrlingstag 2025 am Salzburgring standen Austausch, Teamarbeit, Orientierung und Innovation im Mittelpunkt des Workshopprogramms. Die Vorjahre zeigen, wie unterschiedlich die Schauplätze gewählt wurden:

  • 2024 fand der Lehrlingstag bei PALFINGER statt, mit Workshops zu Konfliktmanagement, Generationendialog, Gesundheit und Finanzbildung.
  • 2023 war der Profifußballverein LASK in der Raiffeisen Arena Gastgeber.
  • 2022 traf sich die Branche am Flughafen Wien, Themen waren Finanzbildung, Geld und Eigenverantwortung.
  • 2019 startete das Format in der KTM Motohall in Mattighofen.

2024 führte z.l.ö. zusätzlich gemeinsam mit der Agentur upart die Kampagne „Die Elite“ durch. Sie sollte Aufmerksamkeit für die aus Sicht der Initiative mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung der Lehre schaffen.