Im zweiten Quartal 2026 zählte Österreich 123.400 offene Stellen. Für Unternehmen bedeutet das zunächst mehr Bewerbungen auf einzelne Positionen.

Für Bewerber verschiebt sich damit auch die eigene Verhandlungsposition. Nach einer Erhebung von Randstad steht bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers inzwischen ein angenehmes Arbeitsklima erstmals höher im Kurs als das Gehalt.

Jobsicherheit bleibt laut Randstad dabei weiterhin ein entscheidender Faktor für die Entscheidung. Hinzu kommt laut einer Erhebung von Deloitte, dass in sieben von zehn Unternehmen Homeoffice weiterhin für mindestens die Hälfte der Belegschaft möglich ist.

Warum Unternehmen trotz sinkender Stellenzahl um Fachkräfte ringen

Qualifizierte Fachkräfte stellen laut Lindlbauer heute andere Anforderungen an Arbeitgeber als noch vor einigen Jahren. Entscheidend sind dabei nicht mehr nur Gehalt und Benefits, sondern das Gesamtpaket aus Vision, Führung und Arbeitsbedingungen. Lindlbauer fasst die wichtigsten Punkte so zusammen:

  • Eine klare unternehmerische Vision, an der sich Fachkräfte orientieren können.
  • Moderne Führung statt klassischer Hierarchien.
  • Gestaltungsspielraum in der täglichen Arbeit.
  • Moderne Technologien für effizientes, zukunftsorientiertes Arbeiten.

Für qualifizierte Angestellte, Spezialisten und das mittlere Management zählt dabei laut Lindlbauer die Qualität der Besetzung mehr als die schiere Zahl der Bewerbungen. Viele interessante Kandidaten seien zudem gar nicht aktiv auf Jobsuche, sondern tragen bereits Verantwortung in ihrer aktuellen Position und wechseln nur, wenn eine neue Perspektive sie wirklich überzeugt.

Was Arbeitgeberattraktivität heute ausmacht

Lindlbauer verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Personalberatung. Aus dieser Praxis leitet sie ab, dass Arbeitgeberattraktivität vor allem durch interessante Aufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten, wirtschaftliche Stabilität und glaubwürdige Führung entsteht, nicht durch Hochglanzkampagnen.

Gleichzeitig beobachtet sie, dass Unternehmen wieder selbstbewusster auftreten, wenn es um Erwartungen an Präsenz, Erreichbarkeit und Zusammenarbeit im Team geht.

Für diese Entwicklung sieht Lindlbauer einen klaren Grund: Gute Führung schaffe eher Leistung und eine funktionierende Unternehmenskultur als reine Präsenz am Arbeitsplatz.

Was das für Bewerber und Unternehmen jetzt bedeutet

Für Bewerber heißt das: Wer heute gesuchte Qualifikationen mitbringt, kann bei Arbeitsklima, Gestaltungsspielraum und Führungskultur anspruchsvoller verhandeln als noch bei mehr offenen Stellen.

Für Unternehmen bedeutet der Rückgang der Vakanzen umgekehrt keine Entwarnung: Die Zahl der Positionen sinkt, der Wettbewerb um die passenden Köpfe bleibt nach Einschätzung von Lindlbauer jedoch bestehen, solange Vision, Führung und Perspektiven nicht überzeugen.