Infineon investiert 1,1 Milliarden Euro in den Standort Villach, um dort künftig Galliumnitrid-Leistungshalbleiter (GaN) in Massenproduktion herzustellen. Die neue Fertigung in Villach soll ab Ende 2027 anlaufen. Damit sichert der Konzern die Zukunft von rund 4.800 Beschäftigten, die in Villach für Infineon arbeiten.

Der Investitionszeitraum für das Projekt erstreckt sich bis 2034. Für die Finanzierung erhält Infineon eine Förderung von 319 Millionen Euro aus dem Europäischen Chips Act. Nach Unternehmensangaben entsteht in Villach damit weltweit erstmals eine Fertigung im großen Maßstab für GaN-Leistungshalbleiter der jüngsten Generation, hergestellt auf 300-Millimeter-Wafern.

Was wird in Villach künftig produziert?

Im Zentrum steht die Massenfertigung von GaN-Leistungshalbleitern. Diese Chips ermöglichen gegenüber klassischen Silizium-Bauteilen deutliche Effizienzsteigerungen bei der Stromversorgung. Infineon begründet die Investition mit der stark wachsenden Nachfrage nach leistungsfähigen Stromversorgungslösungen.

Die primären Einsatzgebiete der neuen Halbleitergeneration umfassen zentrale Zukunftsmärkte:

  • KI-Infrastruktur: Effiziente Stromversorgung für Rechenzentren im Bereich Künstliche Intelligenz.
  • Energiewirtschaft: Moderne Netzanwendungen und nachhaltige Energieinfrastrukturen.
  • Elektromobilität: Hochleistungsfähige Systemkomponenten und beschleunigte Ladetechnik.
  • Automation: Smarte Lösungen für Robotik sowie moderne Konsumentenelektronik.

Zukunftssicherung für Belegschaft und Region

Von den rund 5.800 Beschäftigten der Infineon Technologies Austria AG entfällt der Großteil von etwa 4.800 Kräften auf das Werk in Kärnten. Das neue Milliardenprojekt festigt diese Beschäftigungsverhältnisse nachhaltig. Statt eine komplett neue Fabrik auf der grünen Wiese zu errichten, nutzt das Unternehmen die bestehende Infrastruktur vor Ort. Durch den Rückgriff auf bereits vorhandene Reinraumkapazitäten in Villach lassen sich die Bauphase sowie das spätere Hochfahren der Anlagen massiv verkürzen.

Dieses Großprojekt generiert zudem eine spürbare Wertschöpfung für die regionale Wirtschaft: Zulieferbetriebe und Dienstleister können über die gesamte Projektlaufzeit bis ins Jahr 2034 mit kontinuierlichen Aufträgen rechnen. Die Erweiterung knüpft nahtlos an die bisherige Strategie des Standorts an, der sich bereits frühzeitig auf zukunftsweisende Verbindungshalbleiter abseits des klassischen Siliziums spezialisiert hat.

Strategischer Standortvorteil statt Neubau

Konzernchef Jochen Hanebeck sieht in dem Vorhaben einen entscheidenden Meilenstein für die europäische Halbleiter-Souveränität und die Resilienz der globalen Lieferketten. Erst im Sommer 2026 nahm Infineon ein hochmodernes Werk in Dresden in Betrieb. Die dortige Rekordinvestition von fünf Milliarden Euro konzentriert sich primär auf Mixed-Signal-Komponenten und Silizium-Leistungshalbleiter, während Villach nun das weltweite Kompetenzzentrum für die innovative 300-Millimeter-Galliumnitrid-Technologie wird.

Die österreichische Bundesregierung stuft die Werkserweiterung als eines der bedeutendsten Investitionsprojekte in der Geschichte der heimischen High-Tech-Industrie ein. Flankiert von nationalen Initiativen soll das Vorhaben dazu beitragen, den Industriestandort Österreich nachhaltig im Spitzenfeld der globalen Innovationsnationen zu verankern. Mit dem geplanten Produktionsstart Ende 2027 positioniert sich Infineon somit frühzeitig an der Spitze des europäischen Halbleitermarktes, um die rasant steigende Nachfrage der Zukunftsmärkte zu bedienen.