Im Standortranking Städte der Online-Plattform Die Deutsche Wirtschaft hat sich die Lage für zahlreiche Kommunen verschoben: In der Version vom Oktober 2026 sind 1.762 Städte gestiegen und 15 Orte neu platziert worden. Für Unternehmer, die einen Standort suchen, liefert das Ranking damit frisches Zahlenmaterial – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung, die ein zweites Ranking offenlegt.

Das Standortranking Städte wird nach Angaben der Plattform zweimal jährlich veröffentlicht und bewertet Orte anhand von sieben Faktoren, über die Leser und Akteure abstimmen. Dabei sind 2.092 Orte gefallen. Eine Durchschnittsnote fließt erst ein, wenn für einen Ort mindestens sieben Bewertungen vorliegen. Aktuell sind 24.920 Top-Unternehmen in das Ranking integriert, und 16 überwiegend kleinere Gemeinden wurden neu aufgenommen.

Welche Städte haben sich am meisten verbessert?

Die Spitze des Rankings bleibt stabil: Die Top-10 haben sich gegenüber der vorherigen Version nicht verändert. Bewegung gibt es dahinter. Hanau hat sich innerhalb der Top-100 um 18 Plätze verbessert und liegt nun auf Rang 61. Zwei weitere Städte sind neu in die Top-100 aufgestiegen. Für Unternehmer, die auf etablierte Metropolen fixiert sind, zeigt das: Auch Städte im zweiten und dritten Glied können im Standortranking schnell aufholen.

Ein zweites, unabhängiges Ranking liefert dazu eine wichtige Ergänzung. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) unterscheidet zwischen einem Niveauranking und einem Dynamikranking. Demnach ist der Landkreis München im Niveauranking die wirtschaftsstärkste Region Deutschlands, und elf der zwanzig stärksten Regionen bundesweit liegen in Bayern. Im Dynamikranking führt dagegen Cottbus, gefolgt von Neumünster auf Platz zwei.

Warum wirtschaftliche Stärke nicht automatisch unternehmerfreundlich bedeutet

Nach Einschätzung des IW können wirtschaftliche Stärke und unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen deutlich auseinanderfallen. Ein zentraler Grund liegt in der Gewerbesteuer, die bei der Standortwahl häufig unterschätzt wird. Die Unterschiede sind erheblich:

  • München verlangt einen Gewerbesteuersatz von 490 Prozent.
  • Koblenz liegt bei 440 Prozent.
  • Cottbus kommt trotz Spitzenplatz im Dynamikranking auf einen Hebesatz von 400.
  • Grünwald im Landkreis München verlangt lediglich 240 Prozent, Kemnath im Landkreis Tirschenreuth sogar nur 230 Prozent.

Für Unternehmer bedeutet das: Ein Standort mit hohem Ranking-Platz kann trotzdem eine höhere Steuerlast bedeuten als ein benachbarter, unauffälligerer Ort. Demnach profitiert Cottbus vom Strukturwandel in der Lausitz, von neuen Forschungsprojekten und von Investitionen in Infrastruktur und Wissenschaft. Auch Schleswig-Holstein und Brandenburg verzeichnen insgesamt eine zunehmende wirtschaftliche Dynamik.

Was das für die Standortwahl von Unternehmern bedeutet

Nach Einschätzung des IW reduzieren Remote Work und digitale Geschäftsmodelle die Abhängigkeit vieler Unternehmen von zentralen Großstadtstandorten. Demnach sitzen zahlreiche wirtschaftlich starke Regionen inzwischen nicht mehr in den größten Metropolen selbst, sondern im Umland oder in kleineren, spezialisierten Städten.

Wer einen Standort sucht, kommt damit um einen Abgleich mehrerer Kennzahlen nicht herum: Das Standortranking Städte zeigt die öffentliche Bewertung und die Bewegung einzelner Orte, das IW-Ranking liefert die wirtschaftliche Dynamik, und der Gewerbesteuersatz entscheidet oft über die tatsächliche Kostenbelastung. Ein Spitzenplatz allein sagt damit noch wenig darüber aus, ob sich ein Unternehmen an einem Ort tatsächlich günstig ansiedeln kann.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.