Der Handelsverband Österreich hat am 18. Oktober 2026 eine Online-Petition gegen die nationale Paketsteuer gestartet. Allein am ersten Wochenende unterzeichneten mehr als 17.000 Menschen den Aufruf zur Abschaffung. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, die Abgabe umgehend zurückzunehmen.
Zwei Euro pro Paket seit 1. Oktober 2026
Österreich erhebt seit dem 1. Oktober 2026 eine neuartige Abgabe auf bestimmte Bestellungen im Online-Handel. Sie beträgt zwei Euro pro Paket oder Bestellung, mit Mehrwertsteuer können die Mehrkosten für Kundinnen und Kunden auf 2,40 Euro pro Paket steigen.
Die Abgabe trifft Versandhändler und Online-Plattformen, deren Jahresumsatz in Österreich 100 Millionen Euro übersteigt. Wie der Handelsverband mitteilt, nutzen über 4.000 kleine und mittlere Unternehmen solche Plattformen für ihren Vertrieb und sind dadurch mittelbar von der neuen Abgabe betroffen.
Was das für Kunden und Händler bedeutet
Der Handelsverband erwartet, dass die betroffenen Unternehmen die entstehenden Mehrkosten auf ihre Kundschaft abwälzen. Als besonders gefährdet gilt dem Verband zufolge jener Personenkreis, der krankheits- oder mobilitätsbedingt auf Lieferungen angewiesen ist. Nach einer repräsentativen Befragung von Reppublika Research sprachen sich bereits vor Einführung der Abgabe 70 % der Österreicher gegen die Paketsteuer aus.
Aus derselben Erhebung geht hervor, dass 92 % der Befragten mit steigenden Preisen für Endkunden rechnen. Der Handelsverband warnt zudem, dass Online-Händler an der Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro künftig keinen Anreiz mehr hätten, weiter in Österreich zu investieren.
Warum der Handelsverband vor die EU-Kommission zieht
Der Handelsverband legte am 6. Oktober 2026 der Europäischen Kommission eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen den Binnenmarkt vor. Dem Verband zufolge verletzt Österreich mit der Paketsteuer sowohl die Warenverkehrs- und Dienstleistungsfreiheit als auch das Verbot protektionistisch wirkender Abgaben.
Die EU-Kommission hat nach Angaben des Verbands bereits mit Ermittlungen zu der Abgabe begonnen. Mit einer Entscheidung ist demnach bis Oktober 2027 zu rechnen. Bleibt die Beschwerde erfolgreich, droht Österreich ein EU-Vertragsverletzungsverfahren; in diesem Fall müsste das Land sämtliche Einnahmen aus der Paketsteuer samt Zinsen zurückzahlen.
Was Fachleute für Jobs und Wirtschaft erwarten
Eine Studie der GAW-Innsbruck, die der Handelsverband in Auftrag gegeben hat, rechnet mit dem Verlust von rund 3.000 Arbeitsplätzen durch die Paketsteuer. Dieselbe Studie beziffert den möglichen jährlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung auf 360 Millionen Euro.
Für Online-Käufer bedeutet das vor allem eines: Solange das Verfahren bei der EU-Kommission läuft, bleibt die Abgabe bestehen, und ein höherer Endpreis beim nächsten Einkauf ist nach Einschätzung des Handelsverbands wahrscheinlich.