Ardo schließt sein Werk in Groß-Enzersdorf im Jahr 2027 und beendet damit die industrielle Verarbeitung von Tiefkühlgemüse im Marchfeld. Betroffen sind nach Angaben des Unternehmens reguläre Beschäftigte und saisonale Leiharbeitskräfte. Der Vertrieb im Raum Wien soll in reduzierter Form weiterlaufen.

Für die Region bedeutet der Schritt mehr als das Aus eines einzelnen Werks: Jahrzehntelang verarbeitete und verpackte Ardo als einziger Partner das Marchfeld-Gemüse für Iglo. Das Ende der Verarbeitung vor Ort trifft damit nicht nur die eigene Belegschaft, sondern auch ein ganzes Netzwerk an Lieferanten.

Wen die Schließung konkret trifft

Von den 240 betroffenen Personen sind laut Ardo rund 190 reguläre Beschäftigte und etwa 50 saisonale Leiharbeitskräfte. Die Mitarbeiter in Österreich waren bislang in Produktion, Verpackung und Vertrieb tätig. Der Standort in Groß-Enzersdorf liegt nahe der Grenze zu Wien und war mit rund 200 Beschäftigten einer der kleineren Standorte des Konzerns, der weltweit etwa 3.300 Mitarbeiter an Standorten in sieben Ländern beschäftigt.

Noch stärker betroffen sind Zulieferer: Rund 500 Gemüsebauern im Marchfeld verlieren mit der Werksschließung ihren Hauptabnehmer. Grund dafür ist auch die Beschaffenheit des Rohstoffs selbst: Erbsen und Spinat verlangen eine Verarbeitung und Schockfrostung binnen weniger Stunden nach der Ernte, weshalb Anlieferungen an entferntere Standorte kaum infrage kommen.

Warum Ardo den Standort aufgibt

Als Begründung nennt das belgische Mutterunternehmen mehrere Faktoren gemeinsam: veraltete Anlagen, zu hohe Modernisierungskosten und eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gegenüber osteuropäischen Standorten. Neben dem Renovierungsbedarf spielen demnach auch hohe Lohnnebenkosten, Steuern und bürokratische Umsetzungen eine Rolle.

Iglo, über Jahrzehnte Abnehmer der im Marchfeld verarbeiteten Ware, erklärt, an der Partnerschaft mit österreichischen Bauern festhalten und Rohstoffe weiterhin aus der Region beziehen zu wollen. Wie die Rohware künftig ohne Ardo verarbeitet werden soll, bleibt damit vorerst offen.

Was Branchenvertreter jetzt fordern

Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) sieht in dem Fall ein grundsätzliches Problem und warnt vor einer Ausrichtung des Handels auf den niedrigsten Einkaufspreis als alleinigen Maßstab.

Von der Politik verlangt der Verband, bestehende regionale oder nationale Abmachungen zwischen Herstellern und Handel, soweit sie rechtlich zulässig sind, weder zu beschneiden noch zu untersagen, und spricht sich gegen ein pauschales Verbot gebietsbezogener Lieferbeschränkungen aus.

Direkt an die Bundesregierung gerichtet ist die Forderung des MAV, einen EU-Vorstoß vor dem EU-Rat-Termin am 15. und 16. Oktober zu überdenken. Aus Sicht des Verbands zeigt der Fall Ardo, wie schnell regionale Produktionsstrukturen unter internationalem Kostendruck verschwinden können.

  • Ardo ist auf Tiefkühlgemüse, -kräuter und -obst spezialisiert und beschreibt sich als international wachsendes Familienunternehmen.
  • Der Konzern verkauft seine Produkte in über 100 Ländern weltweit.
  • Ardo wirbt trotz der Schließung weiterhin um neue Talente für sein Team.

Wie es für die einzelnen Beschäftigten und die betroffenen Marchfelder Betriebe konkret weitergeht, ist bislang nicht im Detail bekannt. Klar ist bislang nur, dass der Vertrieb im Großraum Wien in reduzierter Form bestehen bleibt, während die Produktion vor Ort ausläuft.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.