In Österreich waren bereits 64 % der Online-Shops von Betrug oder Betrugsversuchen betroffen. Das geht aus einer Studie des Handelsverbands hervor, die 99 heimische und 76 deutsche Online-Händler befragte. Besonders der Vergleich mit Deutschland zeigt, in welche Richtung sich die Lage für österreichische Händler entwickeln könnte.

Nach Angaben des Handelsverbands stellt rund jedes zweite befragte österreichische Unternehmen (46 %) im Vergleich zum Vorjahr mehr Betrugsfälle fest. Für Kunden bedeutet das strengere Prüfungen bei Bestellungen, etwa bei Adress- oder Zahlungsdaten.

Für Beschäftigte im Kundenservice und in der Logistik steigt der Aufwand, weil Streitfälle rund um Warenerhalt und manipulierte Namens- oder Adressdaten laut Handelsverband zu den größten Herausforderungen zählen.

93 Prozent der deutschen Händler sind bereits betroffen

In Deutschland waren laut Handelsverband bereits 93 % der befragten E-Commerce-Händler von Betrugsfällen betroffen, deutlich mehr als in Österreich. Auch bei einzelnen Betrugsformen liegt Deutschland klar vorn: 56 % der deutschen Händler berichten von Account-Takeover-Fällen, bei denen Betrüger fremde Kundenkonten übernehmen und missbräuchlich nutzen. In Österreich nennen bislang 17 % der Händler diese Betrugsform.

Identitätsbetrug ist in Deutschland mit 75 % der häufigste genannte Betrugstyp. Für österreichische Händler, Zahlungsdienstleister und Logistikpartner liefert das einen Hinweis darauf, welche Betrugsformen in den kommenden Jahren zunehmen könnten, wenn sich das Muster aus Deutschland wiederholt.

Einzelne Betrugsfälle kosten bis zu 25.000 Euro

Die finanziellen Folgen einzelner Betrugsfälle sind für österreichische Online-Händler bereits spürbar. Der Handelsverband beziffert die Verluste einzelner Fälle auf über 10.000 Euro je Bestellung, in Ausnahmefällen habe die Schadenshöhe sogar 25.000 Euro überschritten. Für Geschäftspartner wie Zahlungsdienstleister oder Versandunternehmen bedeutet das ein wachsendes Risiko bei größeren Bestellungen.

Darüber hinaus gibt jeder zehnte österreichische Online-Händler laut Handelsverband an, jährlich Schäden in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro zu verzeichnen. Diese Größenordnung trifft vor allem mittlere und größere Shops, die hohe Bestellmengen abwickeln.

Die Hälfte der Händler rüstet bereits auf

Nicht alle Händler reagieren gleich auf die steigenden Risiken. Laut Handelsverband setzen bereits 50 % der österreichischen Online-Händler Maßnahmen zur Betrugserkennung ein. Weitere 17 % planen laut Handelsverband entsprechende Investitionen in den kommenden Jahren.

Was das für Kunden und Partner in Österreich bedeutet

Für Kunden heißt das wachsende Risiko häufigere Identitätsprüfungen beim Bestellvorgang und mehr Rückfragen bei ungewöhnlichen Adress- oder Zahlungsangaben. Geschäftspartner wie Zahlungsdienstleister und Logistikunternehmen müssen sich laut Handelsverband darauf einstellen, dass Streitfälle rund um Warenerhalt und Identitätsmissbrauch in Österreich zu den größten Herausforderungen im Online-Handel zählen.