Audi plant den Bau eines neuen Werks in Georgia mit einer geplanten Investition von bis zu vier Milliarden Dollar. Der Ansiedlungsvertrag ist noch nicht unterzeichnet, Audi kann sich demnach bis Mitte 2027 aus dem Vertrag zurückziehen, sollte die Prüfung des Geländes nicht zufriedenstellend ausfallen.
Vorsichtige Vertragsgestaltung
Laut Handelsblatt darf Audi das Werksgelände bis Mitte 2027 von der zuständigen Wirtschaftsförderung mieten, erst danach gilt das Geschäft als vollzogen. Die Kündigungsoption umfasst Prüfungen zu Bodenbeschaffenheit, Umweltfaktoren und Erschließungsmöglichkeiten, über deren Ausübung Audi nach eigenem Ermessen entscheidet.
Sollte Audi aussteigen, würde dies dem Konzern demnach hauptsächlich eine Abgabe von zwei Millionen Dollar einbringen, hinzu kämen bereits angefallene Vorbereitungskosten. Rückzahlungsverpflichtungen für verfehlte Zusagen greifen erst, wenn der Vertrag tatsächlich unterschrieben ist. Auch die Zustimmung des Volkswagen-Aufsichtsrats steht noch aus.
Folgen für Standort und Belegschaft
Das neue Werk soll in der Nähe von Macon in Georgia entstehen und durch die Investition sollen etwa 4.500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Jährlich sollen dort bis zu 200.000 Fahrzeuge vom Band laufen, montiert werden die Modelle Audi Q7, Q8 und Q9.
Audi plant den Baubeginn im kommenden Jahr, der Produktionsstart ist Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen. Darüber hinaus plant der Konzern, im benachbarten South Carolina eine zusätzliche Jahresproduktion von 25.000 Fahrzeugen aufzubauen.
Warum Audi investiert
Bislang importiert Audi sämtliche Fahrzeuge für den US-Markt aus Europa oder Mexiko. Durch die unter Präsident Donald Trump eingeführten Zölle entstanden dem Konzern im Jahr 2025 Kosten von rund 1,2 Milliarden Euro, während gleichzeitig die Audi-Verkaufszahlen in den USA in diesem Jahr um 16 % einbrachen.
Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften kritisierten diesen Auftritt, weil er aus ihrer Sicht die politische Neutralität des Unternehmens gefährdet habe; Audi begründete den Schritt mit Entscheidungen im Unternehmensinteresse.
Offene Fragen im Konzern
Der VW-Aufsichtsrat hat das Projekt bislang nicht beschlossen, verbindliche Verträge und vollständig beschlussfähige Unterlagen fehlen noch. Für eine Zustimmung ist eine Zweidrittelmehrheit nötig, wobei die Arbeitnehmerseite und das Land Niedersachsen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung haben.
Eine endgültige Zusage für mögliche Fördergelder von bis zu 1,4 Milliarden Euro steht noch aus, ebenso ist unklar, mit welchem Antrieb die Georgia-Modelle künftig gebaut werden: Q7 und Q9 setzen momentan noch überwiegend auf Verbrennermotoren, während für den Q5 derzeit eine Fertigung in Mexiko vorgesehen ist. Der Volkswagen-Konzern plant zugleich, weltweit bis zu 100.000 Stellen abzubauen.