Die Metro AG, der Düsseldorfer Großhandelskonzern, hat seit dem 8. September 2026 keinen Zugriff mehr auf ihre russische Landesgesellschaft. Die russische Regierung stellte das Russland-Geschäft mit 91 Großmärkten und rund 9.000 Mitarbeitern unter Zwangsverwaltung und übertrug die operative Führung an die neu gegründete Firma UK Torg RUS unter Johannes Tholey. Metro bleibt nach eigenen Angaben formal Eigentümerin, hat aber keine operative Kontrolle mehr.
Unternehmenszahlen der Metro AG
- Großaktionärin ist die Investmentgesellschaft EP Global Commerce mit rund 68 % der Anteile, seit April 2025 im Besitz der Mehrheit.
- Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte die Metro AG unter dem damaligen CEO Steffen Greubel den Umsatz um 5,8 % und das Ebitda um 8,6 %.
- Das Russland-Geschäft trug im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres mit 1,43 Milliarden Euro Umsatz und 71 Millionen Euro Ebitda bei, ein Plus von knapp 11 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
- Zum 30. Juni 2026 verfügte die russische Tochter über Barmittel von 152 Millionen Euro.
- Neuer Vorstandsvorsitzender der Metro AG ist seit September 2026 Eric Riegger, zuvor Finanzvorstand des Konzerns.
Firmengeschichte: Von der Marktgründung bis zur Zwangsverwaltung
Die Metro AG trat 2001 in den russischen Markt ein und baute dort ein Großhandelsnetz auf. Nach dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 entschied sich der Konzern, anders als zahlreiche westliche Unternehmen, in Russland zu bleiben. Metro bezeichnete diesen Schritt selbst als schwierigen Abwägungsprozess und verringerte in der Folge schrittweise die organisatorischen Verbindungen zwischen der russischen Tochter und der Konzernzentrale.
Im April 2025 übernahm die Investmentgesellschaft EP Global Commerce die Mehrheit an der Metro AG. Im September 2026 kündigte CEO Steffen Greubel überraschend seinen Rücktritt an, begründet mit unterschiedlichen Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Konzerns. Eric Riegger übernahm daraufhin den Vorstandsvorsitz.
Was zur Zwangsverwaltung in Russland führte
Am 8. September 2026 wurde das Russland-Geschäft des Metro Konzerns per Erlass unter vorübergehende Zwangsverwaltung gestellt. Die operative Kontrolle ging an UK Torg RUS, eine Gesellschaft, die Johannes Tholey, zu diesem Zeitpunkt Chef der russischen Metro-Landesgesellschaft, nur drei Wochen zuvor allein gegründet hatte. Metro AG teilte am 29. September 2026 mit, Tholey sei nicht mehr Mitarbeiter des Konzerns.
Produkte und Dienstleistungen der Metro AG in Russland
Die russische Landesgesellschaft der Metro AG betrieb zuletzt 91 Großhandelsgeschäfte sowie zwei Zentrallager und beschäftigte rund 9.000 Menschen. In den neun Monaten bis zum 30. Juni 2026 erzielte das Russland-Geschäft einen Umsatz von rund 2,14 Milliarden Euro, das entsprach etwa 8,7 % des Konzernumsatzes in diesem Zeitraum. Im ersten Geschäftshalbjahr allein lag der Russland-Umsatz bei 1,43 Milliarden Euro und machte damit rund ein Zehntel des Gesamtumsatzes der Metro Konzern-Gruppe aus.
Mit 71 Millionen Euro trug die Sparte mehr als 15 % zum gesamten Konzern-Ebitda bei. Die Metro AG prüft derzeit, welche weiteren Folgen das Dekret für die Bilanz und die Bewertung des Russland-Geschäfts in Düsseldorf hat.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.








