Der österreichische Faserkonzern Lenzing erhöht sein Kapital um 300 Millionen Euro, um einen umfassenden Konzernumbau zu finanzieren. Mit dem frischen Geld will das Unternehmen sein Geschäftsmodell neu ausrichten und zugleich weltweit Arbeitsplätze streichen. Für bestehende Aktionäre bedeutet die Lenzing-Kapitalerhöhung einen spürbaren Abschlag auf den bisherigen Kurs.

Was das für Aktionäre bedeutet

Lenzing bietet rund 34,756 Millionen neue Stückaktien zu einem Bezugspreis von 8,65 Euro je Aktie an. Das entspricht laut Unternehmen einem Abschlag von 42,50 % auf den theoretischen Kurs ohne Bezugsrechte. Je zehn alte Aktien konnten Anleger neun neue Aktien beziehen, die Bezugsfrist lief vom 6. bis zum 20. Oktober 2026. Wer nicht mitzog, wird dadurch deutlich verwässert, da sich die Zahl der ausstehenden Aktien stark erhöht.

Wer das Kapital aufbringt

Die Kernaktionäre tragen den Großteil der Kapitalerhöhung. Das Großprojekt wird maßgeblich von der B&C-Gruppe getragen, die eine Summe von knapp 157,1 Millionen Euro beisteuert. Deutlich moderater fallen dagegen die Finanzspritzen der beiden anderen Großaktionäre aus: Auf Suzano entfallen circa 22,5 Millionen Euro, während sich die Oberbank AG mit rund 11,6 Millionen Euro an der Kapitalerhöhung beteiligt. Nach Abschluss der Transaktion hält die B&C-Gruppe rund 39,64 % an Lenzing, Suzano sinkt auf 12,6 %. Zusammen kommen beide Kernaktionäre weiterhin auf gut die Hälfte der Anteile. Ein Syndikatsvertrag sichert der B&C-Gruppe dabei die alleinige Kontrolle über den Konzern. Suzano verkauft zudem Bezugsrechte für 1.757.754 neue Aktien an eine Gesellschaft der B&C-Gruppe, wodurch sich die Machtverhältnisse zwischen den beiden Großaktionären weiter verschieben.

Warum Lenzing umbaut

Das frische Kapital soll laut Unternehmen in einen strategischen Umbau des Geschäfts fließen. Lenzing will das Nonwovens-Geschäft ausbauen und sich im Textilbereich auf Premium-Segmente wie die Marke Tencel konzentrieren. Gleichzeitig soll das Zellstoff- und Bioraffineriegeschäft gestärkt werden.

Aus dem Geschäft mit Standardfasern für Textilanwendungen zieht sich der Konzern dagegen zurück. Die Faserproduktion am Standort Burgenland wird bis Ende 2026 eingestellt, der Standort in England folgt 2027. Im Zuge des Umbaus sollen weltweit rund 2.000 Arbeitsplätze bis Ende 2027 wegfallen.

Wie es weitergeht

Der Vollzug der gesamten Kapitalerhöhung ist für den 23. Oktober 2026 vorgesehen. Bereits am 9. Oktober 2026 übte die Oberbank ihre Bezugsrechte aus. Auch die Lenzing-Vorstandsmitglieder Georg Kasperkovitz und Christian Skilich machten am selben Tag von ihren Bezugsrechten Gebrauch.