Ukrainische Drohnen haben in der Nacht ein Rechenzentrum des russischen Technologiekonzerns Yandex in Sassowo getroffen, rund 380 Kilometer südöstlich von Moskau. Der Angriff löste einen Brand in einem Gebäude des Standorts aus, woraufhin Yandex den Betrieb dort vollständig einstellte.

Drohnen treffen Rechenzentrum in Sassowo, 380 Kilometer von Moskau entfernt

Nach Angaben von Yandex kamen bei dem Angriff keine Personen zu Schaden. Der Netzwerkbeobachter NetBlocks registrierte im Anschluss eine deutliche Störung im Yandex-Netzwerk. Das betroffene Rechenzentrum liegt auf einem Industrieareal, auf dem auch der Maschinenbauer Sasta sitzt, der laut t-online.de Werkzeugmaschinen für die russische Rüstungsindustrie fertigt.

Cloud-Kunden spüren Stromausfälle, Kernservices bleiben stabil

Yandex Cloud meldete in einem bestimmten Bereich Probleme mit der Stromversorgung. Für Verbraucher blieben die Kerndienste des Konzerns nach eigenen Angaben jedoch unberührt. Das Unternehmen kündigte an, an der Wiederherstellung der betroffenen Dienste zu arbeiten und im Laufe des Tages ein Update zur Stromversorgung zu geben.

Für Geschäftspartner, die Cloud-Kapazitäten von Yandex nutzen, bedeutet der Ausfall zumindest vorübergehende Unsicherheit über die Verfügbarkeit einzelner Dienste, auch wenn der Konzern selbst von keiner Kundenbetroffenheit im Kerngeschäft spricht.

Erster bestätigter Großangriff auf ein russisches Rechenzentrum

Der Vorfall gilt als erster bestätigter größerer Drohnenangriff der Ukraine auf ein russisches Rechenzentrum. Russland hatte in den Wochen zuvor seinerseits mehrere Angriffe auf ukrainische Rechenzentren geflogen. Die Ukraine hat zudem bereits mehrfach Lager des Onlinehändlers Wildberries angegriffen.

Yandex zwischen Cloud-Geschäft und Rüstungsnähe am Standort

Yandex ist Russlands größtes Internetunternehmen mit Hauptsitz in Moskau und betreibt mehrere große Rechenzentren im Land. Mit YandexGPT zählt der Konzern zudem zu den führenden russischen Anbietern von Modellen für künstliche Intelligenz. Die Nähe des getroffenen Standorts zum Rüstungszulieferer Sasta könnte miterklären, warum das Areal ins Visier geriet.

Wie es für Yandex weitergeht

Für Kunden bleibt zunächst offen, wie lange der Standort in Sassowo ausfällt und welche Cloud-Dienste davon über den gemeldeten Bereich hinaus betroffen sein könnten.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.