Der deutsche Mittelstand hält sich bei Investitionen so stark zurück wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung unter rund 1.200 kleinen und mittleren Unternehmen hervor. Trotz einer leicht verbesserten Stimmung bleibt die Geschäftslage in vielen Betrieben angespannt.

Der Creditreform Geschäftsklimaindex ist im Herbst 2026 auf plus 1,1 Punkte gestiegen, nach plus 0,1 Punkten im Vorjahr. Der Geschäftslageindex liegt aktuell dennoch bei minus 4,0 Punkten und damit deutlich unter den Werten früherer Jahre.

Wie stark hat sich die Stimmung im Mittelstand verändert?

Die leichte Erholung des Klimaindex täuscht über die eigentliche Lage hinweg: Der Geschäftslageindex lag 2017 noch bei plus 30,9 Punkten und 2018 bei plus 27,9 Punkten. Von diesem Niveau ist der Mittelstand inzwischen weit entfernt. Die Investitionsbereitschaft der befragten Betriebe ist auf den niedrigsten Stand der vergangenen zwei Jahrzehnte gesunken.

Gleichzeitig zeigen sich bei den Auftragseingängen erste Unterschiede zwischen den Branchen. Während sich die Lage im Verarbeitenden Gewerbe etwas aufhellt, bleibt sie in anderen Bereichen angespannt.

Was bedeutet die Investitionszurückhaltung für Beschäftigte und Partner?

Für Beschäftigte zeigt sich die Zurückhaltung direkt in der Personalentwicklung: 14,5 % der befragten Unternehmen meldeten eine größere Belegschaft, 18,6 % haben ihre Personalstärke dagegen reduziert. Für Geschäftspartner und Zulieferer bedeutet die gedämpfte Investitionsneigung, dass Aufträge für neue Maschinen, Ausstattung oder Dienstleistungen seltener vergeben werden als in wirtschaftlich stärkeren Jahren.

Hinzu kommt ein Preisdruck, der sich an Kunden weitergibt: 43,5 % der befragten Betriebe mussten ihre Angebotspreise wegen gestiegener Kosten anheben, nach 27,9 % im Vorjahr. Das trifft Abnehmer entlang der gesamten Lieferkette.

Wie wirkt sich das auf Aufträge und Umsätze aus?

Bei den Auftragseingängen zeigt sich ein gemischtes Bild zwischen den Branchen:

  • Im Verarbeitenden Gewerbe meldeten 26,4 % der Betriebe steigende Auftragseingänge, nach 18,0 % im Vorjahr.
  • Der Anteil mit Auftragsrückgängen im Verarbeitenden Gewerbe sank deutlich gegenüber dem Vorjahreswert von 38,9 %.
  • Im Baugewerbe und im Handel verzeichneten jeweils rund 13 % der Betriebe steigende Auftragseingänge.
  • Insgesamt meldete ein Fünftel der befragten Unternehmen mehr Aufträge, während gut ein Viertel einen Rückgang verzeichnete.

Bei den Umsätzen zeigt sich ein ähnliches Muster: Etwa jedes vierte befragte Unternehmen verzeichnete ein Umsatzplus, ebenso viele mussten einen Rückgang hinnehmen. Diese gespaltene Lage erklärt, warum viele Betriebe bei Investitionen vorsichtig bleiben, obwohl sich die gesamtwirtschaftliche Stimmung leicht aufgehellt hat.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.