So viel kostet eine Firmengründung im Schnitt in Deutschland

Wer eine Firmengründung anstrebt, sollte zunächst seine Ausgangslage analysieren. Hier entscheiden eine durchdachte Finanzplanung und ein klar definierter Businessplan über die anfallenden Gründungskosten.

Zudem trägt die Geschäftsidee einen großen Anteil daran, für welche Gesellschaftsform man sich entscheidet. Wer über kein Stammkapital verfügt, könnte z.B. entweder ein Einzelunternehmen oder in Kooperation mit weiteren Personen, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen. Die administrativen Kosten für die Anmeldung und Zulassung der Firmengründung unterscheiden sich je nach Gesellschaftsform. Sie sind als Grundpfeiler der Firmengründung zu betrachten.

Einzelunternehmen und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Diese Rechtsformen eignen sich für Personen, die ohne Eigenkapital ein Unternehmen gründen möchten. Sowohl Handwerksbetriebe als auch Gastronomen tragen ihr Gewerbe sehr häufig als Einzelunternehmen oder als GbR ein. Abseits der Gewerbeanmeldung, die je nach Bundesland zwischen 15 und 65 Euro kostet, fallen keine hohen administrativen Kosten an. Jedoch müssen branchenspezifische Anforderungen erfüllt werden. 

So ist der Nachweis eines Meistertitels für bestimmte Handwerksbetriebe (z.B. Dachdecker) Pflicht. Hygiene-Belehrungen müssen dagegen in der Gastronomie beim Gesundheitsamt durchgeführt werden, bevor das Gewerbe angemeldet werden kann. Die Firmengründung scheint aus rechtlicher Perspektive einfach zu sein, allerdings haften die Geschäftsführer auch mit ihrem privaten Kapital.

Die Gemeinschaft mit begrenzter Haftung (GmbH)

Die GmbH ist eine der beliebtesten Gesellschaftsformen in Deutschland und erfordert höhere Gründungskosten als eine GbR. Neben der eigentlichen Gewerbeanmeldung und dem Eintrag in das Handelsregister (hier fallen Kosten zwischen 600 und 1.400 Euro an) ist ein Stammkapital Voraussetzung. Dieses beträgt 25.000 Euro und setzt sich aus den Stammeinlagen der Gesellschafter zusammen. 

Die Eintragung in das Handelsregister erfolgt erst, nachdem alle Gesellschafter die Hälfte ihrer Stammeinlagen eingezahlt haben. Die GmbH rentiert sich als Rechtsform für Unternehmen, die hohe Gewinne und eine bessere Bonität forcieren. Allerdings haften Gesellschafter nicht mit ihrem Privatvermögen. 

Darüber hinaus sind die Aufsetzung und das Prüfen des Gesellschaftsvertrags durch einen Notar verpflichtend. Hier kommen noch weitere Kosten in Höhe von ca. 800 Euro hinzu. Die Eintragung beim Amtsgericht kostet noch einmal 150 Euro. Insgesamt belaufen sich die Administrationskosten für eine GmbH auf ca. 27.350 Euro.

Unternehmergesellschaft (UG) 

Die UG ist wie die GmbH eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Jedoch fällt bei einer UG das geforderte Stammkapital weg. Zudem sind die Notarkosten geringer und der Gesellschaftsvertrag kann anhand eines Musterprotokolls aufgesetzt werden. 

Dieses kostet zwischen 200 und 300 Euro. Es ist demnach theoretisch möglich, eine UG mit nur einem Euro Stammkapital zu gründen. Jedoch muss ein Viertel des Jahresgewinns zurückgehalten werden. Sie ist in ihrer finanziellen Handlungsfähigkeit eingeschränkter als eine GmbH.

Aktiengesellschaft (AG)

Wer eine AG gründen möchte, muss mit den höchsten Gründungskosten aller Gesellschaftsformen rechnen. Hier ist ein Stammkapital von 50.000 Euro erforderlich. Für einen individuellen Gesellschaftsvertrag fallen des Weiteren 1500 Euro an Notarkosten an. Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf profitieren von dieser Rechtsform. Das Kapital wird dabei in Aktien zerlegt.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Eine OHG ist eine Personengesellschaft von zwei oder mehr Kaufleuten. Im Gegensatz zu den Kapitalgesellschaften (GmbH und AG) ist kein Stammkapital notwendig. Im Prinzip funktioniert eine OHG wie eine GbR, nur mit dem Unterschied, dass sie als Handelsunternehmen ausgerichtet ist. Auch hier haften Gesellschafter sowohl mit dem Geschäfts- als auch mit dem Privatvermögen.

Kommanditgesellschaft (KG) 

Bei der KG handelt es sich um eine Mischform aus Kapital- und Personengesellschaft. Die Gesellschafter haften in diesem Fall auf unterschiedliche Weise. Kommanditisten haften lediglich mit ihrer Kapitalbeteiligung, während Komplementäre mit ihrem gesamten Vermögen haften. 

Auch hier ist kein Mindestkapital für die Gründung erforderlich. Jedoch ist auch hier wie bei allen Rechtsformen eine Gewerbeanmeldung Pflicht.

Schwer kalkulierbare Kosten

Abseits der gesetzlichen Anforderungen und den damit verbundenen Kosten existieren noch zahlreiche andere Ausgaben, die für eine Firmengründung notwendig sind. 

Steuerberater 

Steuerberater werden bei der Firmengründung sowie danach gerne von Unternehmen zu Rate gezogen. Sie unterstützen Unternehmer in finanziellen Angelegenheiten, wie etwa beim Jahresabschluss oder Steuerfragen. Hier können die Kosten variieren und es kann keine konkrete Aussage über die Höhe getroffen werden. 

Miete und Kauf von Immobilien sowie Büro- und Geschäftsausstattung 

Für jedes Unternehmen sind die Miete oder der Kauf von Geschäfts-und Produktionsflächen ein wichtiges Thema. Hier entscheiden sowohl der Standort als auch die Größe über den Miet- bzw. Kaufpreis. Ohne feste Lokalitäten ist auch keine Firmengründung möglich. Des Weiteren muss auch in das Inventar investiert werden. Es kommt demnach zu Ausgaben für Möbel, Beleuchtung, Armaturen usw. 

Darüber hinaus sind Verbrauchsmaterialien anzuschaffen. Technisches Equipment und Firmenfahrzeuge zählen ebenfalls zu den weniger gut kalkulierbaren Kosten. Dies ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. 

Produktionsspezifische Kosten 

Für eine Firmengründung ist es unerlässlich, dass man vor der Gewerbeanmeldung bereits eine Finanzierungsstrategie für die Produktionskosten entwickelt hat. Diese setzen sich aus den Bereichen Produktentwicklung und Forschung sowie Transport und Vertrieb zusammen. Dazu kommen noch die Materialkosten. 

Marketing

Eine starke Online Präsenz ist heutzutage für den Erfolg von Unternehmen wichtiger denn je. Das Gleiche gilt für ein authentisches Employer Branding zur Stärkung der Arbeitgebermarke und SEO Strategien für ein besseres Suchergebnis. Hier können weitere Kosten für die Zusammenarbeit mit Agenturen anfallen.

Fazit

Lässt man die administrativen Kosten außen vor, ist es nicht möglich, eine verbindliche Aussage über die Kosten einer Firmengründung in Deutschland zu treffen. Es existieren zu viele Variablen, die die Kosten individuell bestimmen. Jedes Unternehmen hat andere Voraussetzungen und Ansprüche, denen es gerecht werden muss. 

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