Der Shell-Konzern rechnet für das dritte Quartal 2026 mit einem starken Ergebnis. Nach eigenen Angaben erzielte das Unternehmen eine Raffineriemarge von 42 US-Dollar pro Barrel – deutlich mehr als der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022, der kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erreicht wurde.

Damals hatte die Marge bei 28,04 US-Dollar pro Barrel gelegen. Treiber des neuen Rekords sind Marktverknappungen durch den Iran-Krieg, Angriffe auf russische Raffinerien und ein weltweiter Engpass bei Kraftstoffen.

Warum steigen die Margen des Shell-Konzerns gerade jetzt?

Konflikte im Nahen Osten sorgen seit Monaten für anhaltend hohe Ölpreise. Der Brent-Ölpreis lag im Durchschnitt des dritten Quartals über 90 US-Dollar pro Barrel. Zusätzlich schrumpft das globale Ölangebot, weil der Krieg zwischen Israel und dem Iran sowie Attacken auf russische Raffineriekapazitäten die Versorgung belasten.

Shell und Konkurrenten betrieben ihre Raffinerien im dritten Quartal mit maximaler Kapazität. Zahlreiche bedeutende Anlagen zur Herstellung von Kerosin und Diesel erlitten Schäden und stehen seitdem still, bis sie instand gesetzt sind. Auch die konzerneigene Pearl-Gas-to-Liquids-Anlage in Katar wurde von einem Angriff getroffen und hat die Produktion seither nicht wieder aufgenommen.

Was bedeutet das für Kunden und Partner?

Die Folgen zeigen sich bereits an der Zapfsäule. In den USA und in Großbritannien kletterten die Dieselpreise auf nie zuvor gemessene Höchstwerte.

Rechenbeispiel

Der durchschnittliche Dieselpreis in den USA lag am Mittwoch bei 6,31 US-Dollar pro Gallone, im Vorjahr bei 3,68 US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg um rund 71 % binnen eines Jahres.

Auch in Europa bleibt die Lage angespannt: Die Gasspeicherstände sind niedrig, Länder konkurrieren mit asiatischen Abnehmern um Lieferungen. Hohe europäische Gaspreise bieten Energiekonzernen dabei zusätzlichen Rückenwind.

Zugute kam dem Shell-Konzern außerdem, dass seine Handelssparte nordamerikanisches Flüssigerdgas an Abnehmer in Europa absetzen konnte und damit die ausbleibenden Lieferungen aus dem Persischen Golf kompensierte, was die Gaspreise zusätzlich stützte.

Für Geschäftspartner und Beschäftigte zeigt sich der Konzern derweil investitionsfreudig: Im April übernahm Shell das kanadische Unternehmen ARC Resources für 13,6 Milliarden US-Dollar.

Die Zahlen des Shell-Konzerns im Überblick

  • Raffineriemarge zweites Quartal: 24 US-Dollar pro Barrel
  • Raffinerieauslastung drittes Quartal: 93 bis 97 % (zweites Quartal: 102 %, beeinflusst durch niedrige Rheinpegel)
  • Brent-Ölpreis im Quartalsschnitt: über 90 US-Dollar pro Barrel
  • Erwartete Fördermenge bei integriertem Gas: zwischen 740.000 und 780.000 Barrel Öläquivalent täglich

Wie geht es für den Konzern weiter?

Angesichts ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und eines Exportverbots aus China könnte der Markt für Raffinerieprodukte nach Einschätzung von Beobachtern bis 2027 angespannt bleiben. An der Börse in London notierte die Shell-Aktie zeitweise um 0,27 GBP höher. Den vollständigen Zahlenbericht zum dritten Quartal will der Konzern am 29. Oktober 2026 vorlegen.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.