Ryanair verringert seine Präsenz am Flughafen Wien erneut: Zum Winterflugplan 2026/2027 streicht die Airline mehrere Flugverbindungen und reduziert ihre Flotte am Standort. Von der Kürzung sind 80 Arbeitsplätze betroffen.

Der Rückzug ist kein Einzelfall: Zum Winterflugplan sinkt die Zahl der stationierten Flugzeuge von zuletzt 16 auf zwölf, verbunden mit der Streichung von zwölf Flugverbindungen.

Bereits zum Sommerflugplan hatte Ryanair fünf Flugzeuge, neun Strecken und rund eine Million Sitzplätze aus Österreich abgezogen. Seit Herbst 2025 hat das Unternehmen damit insgesamt fünf Boeing-Maschinen aus Wien genommen. An der Tochterfirma Lauda Europe mit ihren 14 Airbus A320 hält Ryanair dagegen fest.

Welche Strecken fallen weg?

Betroffen sind zehn Direktverbindungen ab Wien sowie zwei Linien von Linz und Klagenfurt:

  • Wien–Kopenhagen, Wien–Marseille, Wien–Tel Aviv, Wien–Dubrovnik
  • Wien–Niš, Wien–Salerno, Wien–Sevilla, Wien–Warschau
  • Wien–Lanzarote, Wien–Riga
  • London-Stansted ab Linz und ab Klagenfurt

Auf acht der zehn wegfallenden Wiener Strecken stand Ryanair in direkter Konkurrenz zur AUA. Reisende auf diesen Zielen müssen sich künftig nach Alternativen umsehen oder Umwege über andere Flughäfen in Kauf nehmen.

Warum zieht sich Ryanair aus Wien zurück?

Als Grund nennt das Unternehmen zu hohe Kosten am österreichischen Standort. Die Gebühren der Flugsicherung sind seit der Corona-Pandemie um 60 % gestiegen, die Gebühren des Flughafens Wien um 30 %. Hinzu kommt die Luftverkehrsteuer von zwölf Euro pro Ticket, die aus Sicht von Ryanair-Chef Michael O’Leary ersatzlos gestrichen gehört.

O’Leary wirft Bundeskanzler Christian Stocker in diesem Zusammenhang Untätigkeit vor. Die Bundesregierung hatte im Juni ein Hilfspaket von 30 Millionen Euro für die Luftfahrtbranche angekündigt, das O’Leary als unzureichend bezeichnet. Ab dem 1. Juli senkt die Regierung die Luftverkehrsteuer je Kurzstreckenpassagier auf 11,80 Euro, eine Abschaffung lehnt sie jedoch ab.

Was bedeutet das für Beschäftigte und Reisende?

Für die betroffenen Beschäftigten in Wien bedeutet der Streckenabbau zunächst Unsicherheit über ihre Einsatzorte und Arbeitsplätze. Reisende, die bislang auf die gestrichenen Ryanair-Verbindungen gesetzt haben, müssen auf andere Airlines oder Flughäfen ausweichen, etwa bei Zielen wie Warschau, Riga oder Tel Aviv.

Der Konflikt um Standortkosten zeigt sich nicht nur in Wien: Auch am Flughafen Bremen beendet Ryanair den Flugbetrieb ab April 2027, nachdem Verhandlungen über neue Gebührenkonditionen gescheitert waren. Die Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt wirft dem Unternehmen vor, überzogene Forderungen gestellt und seine Marktmacht ausgespielt zu haben.

Wie geht es weiter?

Ryanair schließt eine Rückkehr der abgezogenen Flugzeuge und eine Wiederaufnahme der gestrichenen Strecken in Wien nicht aus – allerdings nur, wenn sich die Abgaben am Standort ändern. Ob die Regierung auf diese Forderung eingeht, ist offen.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.