GmbH, AG, KG oder OHG, sie begegnen einem täglich, gefühlt bei jedem Unternehmen. Doch die Rechtsform eines Einzelunternehmens soll in Deutschland am beliebtesten sein? Das wird überraschen, aber es ist so. Und zwar nicht mit knappem Vorsprung.

Man mag es kaum glauben, aber unter allen Gesellschaftsformen bei deutschen Unternehmen haben die Einzelunternehmer mit über 59% die Nase vorne. Erst dahinter kommen mit knapp 23% die Kapitalgesellschaften (GmbH und AG) und mit 12% die Personengesellschaften (KG und OHG).

Rund 3,4 Million Unternehmen in Deutschland

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2020 und wurden vom Statistischen Bundesamt bekannt gegeben. Aus fast 3,4 Millionen Unternehmen nehmen knapp 2 Millionen Einzelunternehmen die Führungsposition ein. Kapitalgesellschaften gibt es rund 770.000, die Personengesellschaften sind mit etwa 405.000 Einheiten in der Statistik vertreten.

Doch warum gibt es so viele Einzelunternehmen? Was macht diese Gesellschaftsform so beliebt? Wann lohnt es sich, vielleicht selbst über ein Einzelunternehmen nachzudenken? Und zuletzt, wann sollte man vielleicht doch eine andere Rechtsform wählen? Alles Fragen, die definitiv nach einer Antwort verlangen.

Alles in einer Hand

Das Schöne am Einzelunternehmen ist, dass es nicht wirklich viel Kapital bedarf, um es zu gründen. Im Prinzip kann sich jeder ins Handelsregister eintragen lassen und wird dann zum Unternehmer. 

Aus dem Blickwinkel des Handelsgesetzbuchs (HGB), ist der Inhaber einer Firma dazu verpflichtet, Bücher zu führen und Gewerbesteuer zu zahlen. Das hat den Vorteil, als alleiniges Firmenoberhaupt die Geschäfte zu 100% in den eigenen Händen zu haben.

So natürlich auch über die gesamte Geschäftspolitik. Leute einstellen, Produkte anbieten, Image und zukünftige Zielsetzungen, keiner darf dem Chef reinreden. Auch nicht beim neuen Dienstwagen. Selbst der Gewinn fließt allein in die Taschen des Inhabers, ohne dass er (abgesehen von der Einkommensteuer) etwas davon abgeben muss.

Privatvermögen ist zugleich Firmenkapital

Doch das ist auch der große Nachteil am Einzelunternehmen. Wessen Privateinkommen automatisch der Gewinn der Firma ist, der haftet mit seinem Privatvermögen, wenn es mal nicht so gut läuft. Da aber durch die private Haftung meist etwas Kapital (z.B. in Form von Immobilien) vorhanden ist, vergeben Banken auch mal leichter Kredite als bei einer nahezu insolventen GmbH.

Vom Einzelunternehmen zur Kapitalgesellschaft wechseln?

Irgendwann macht es dann vielleicht aber doch Sinn, die Gesellschaftsform seines Unternehmens zu wechseln. Insbesondere dann, wenn die Mitarbeiter immer mehr werden. 

Es gibt zwar riesige Einzelunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, doch in Deutschland sind es gerade einmal 100 Firmen. 95% aller Einzelunternehmen haben weniger als 10 Mitarbeiter. Wenn es mehr Angestellte werden, vielleicht das eigene Einzelunternehmen lieber als eine Kapitalgesellschaft wie eine GmbH eintragen lassen? 

Klar, warum eigentlich nicht? Steigende Mitarbeiterzahlen sind mit steigendem Arbeitsaufwand verbunden. Steigerer Arbeitsaufwand ist wiederum nichts anderes als wirtschaftliches Wachstum.

Flexibilität und steuerliche Vorteile

Je mehr Umsatz bzw. Gewinn das eigene Unternehmen erzielt, umso mehr kann man von den steuerlichen Vorteilen einer GmbH profitieren. Die Kapitalertragsteuer ist deutlich geringer als die Einkommenssteuer. Und das “neue Privateinkommen” ist nichts anderes als die Rendite aus den Gewinnanteilen. Im Besitz von 100% der Anteile, greift man auch zu 100% die Rendite ab. Sicherlich kein schlechtes Einkommen.

Die GmbH lässt sich flexibel führen, genauso flexibel, wie man die Rendite selbst festlegen kann. Und natürlich lässt sich das Geschäft mit allen Freiheiten führen. Ein wenig aufpassen muss man dennoch. Zwar haftet man nicht mehr mit seinem Privatvermögen, doch kommt man als Geschäftsführer nicht seiner Sorgfaltspflicht nach, kann man doch noch privat zur Kasse gebeten werden.

Personengesellschaften eher unbeliebt

Personengesellschaften wie KG und OHG sind in Deutschland nicht so beliebt, aber dennoch genutzt. Bei dieser Rechtsform läuft die Gründung unkompliziert und mit wenig Stammkapital ab. Man tut sich mit anderen Beteiligten zusammen und macht seine eigene Firma auf.

Auch hier gibt es steuerliche Vorteile gegenüber einem Einzelunternehmen. Doch je nach Unternehmensform muss einer oder alle Geschäftsführer bei einer Personengesellschaft mit dem Privatvermögen haften. Also fast wie ein Einzelunternehmen, nur mit mehr Partnern, weniger Freiheit aber leichten steuerlichen Vorteilen.

Als Einzelunternehmer starten, später in Kapitalgesellschaft wechseln

Also: Wer eine gute Geschäftsidee hat, aber keine 25.000 Euro zur Gründung einer GmbH, kann sich ja erstmal an einem Einzelunternehmen versuchen. Wenn es dann gut läuft, kann man sein Unternehmen beim Handelsregister immer noch als GmbH eintragen lassen.

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