Audi hat für sein Werk Neckarsulm die Schlechtwetterklausel aus dem Zukunftspakt von 2019 aktiviert. Der Autobauer fordert bis Ende Juni 2027 ein tragfähiges Kostenkonzept. Mehr als 15.000 Beschäftigte am Standort warten nun auf die Verhandlungen.

Die Klausel erlaubt es Audi, bei deutlicher Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zusätzliche Sparmaßnahmen mit dem Betriebsrat zu verhandeln. Volkswagen hatte Anfang September 2026 einen Sparplan beschlossen, der Neckarsulm genau ein Jahr Zeit für ein solches Konzept einräumt.

Was droht, wenn kein Konzept vorliegt?

Legt Neckarsulm bis zur Frist kein tragfähiges Kostenkonzept vor, droht laut Audi das Produktionsende für den Standort. Bei einer Betriebsversammlung dazu waren rund 5.000 Beschäftigte anwesend. Der Betriebsrat um Alexander Reinhart prüft derzeit, ob die Voraussetzungen für die Schlechtwetterklausel überhaupt erfüllt sind, signalisiert aber Bereitschaft zu Verhandlungen, sobald die Prüfung abgeschlossen ist.

Warum sind die Kosten in Neckarsulm zu hoch?

Rechenbeispiel

Bei knapp 6.000 Euro Fertigungskosten je Fahrzeug und rund 3.000 Euro beim wettbewerbsfähigsten Werk ergibt sich eine Differenz von etwa 3.000 Euro. Nach Bereinigung bestimmter Sonderfaktoren bleibt davon laut Audi ein Kostennachteil von rund 2.000 Euro je Fahrzeug übrig – genau die Lücke, die das geforderte Konzept schließen soll.

Was bedeutet das für die Region?

In Neckarsulm werden derzeit die Modelle A5, A6, A8 und der e-tron GT gefertigt. Eine Schließung hätte nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten weitreichende Folgen für die Region Heilbronn.

  • Rund 1.000 Zulieferunternehmen sind an der Produktion in Neckarsulm beteiligt.
  • Ein Viertel der industriellen Wertschöpfung der Region könnte wegbrechen.
  • Experten rechnen mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region.
  • Im Werk entsteht derzeit ausschließlich die letzte Verbrenner-Baureihe, die 2034 ausläuft.

Wie geht es für die Beschäftigten weiter?

Die Zukunftsvereinbarung vom März 2025 schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 aus. Damals hatten sich Audi und der Betriebsrat zugleich auf den Abbau von 7.500 Arbeitsplätzen geeinigt, verbunden mit einer Beschäftigungssicherung sowie Investitionen für ein neues Elektroauto.

In indirekten Bereichen sollen bis 2029 bis zu weitere 7.500 Stellen wegfallen. Für neue Fertigungsplattformen erhielt Neckarsulm aus der Vereinbarung einen Standortfonds über 250 Millionen Euro.

Ende September 2026 kündigte Volkswagen den Manteltarifvertrag, ließ die Jobgarantie bis 2030 aber bestehen. Konzernchef Oliver Blume verfolgt einen verschärften Sparkurs und will die Rendite bis 2030 auf 9 % steigern. Konzernweit sieht Volkswagen einen rechnerischen Anpassungsbedarf von 50.000 Stellen, die Produktion in vier deutschen Werken steht zur Reduktion von Überkapazitäten auf dem Prüfstand.

Bis Ende Juni 2027 muss Neckarsulm nun zeigen, ob ein Kostenkonzept die Lücke zu den wettbewerbsfähigsten Werken schließen kann.