Zugleich bietet Agrana einen Teil des Standorts rund 500 Gemüsebauern im Marchfeld als möglichen neuen Produktionsort an, die durch die geplante Schließung des Ardo-Werks in Groß Enzersdorf ihren bisherigen Abnehmer verlieren.

Der belgische Konzern Ardo hatte angekündigt, den Produktions- und Verpackungsstandort in Groß Enzersdorf 2027 zu schließen und künftig nur noch ein Logistikzentrum in Wien zu betreiben. Damit steht die regionale Infrastruktur für Tiefkühlgemüse im Marchfeld vor dem Aus. Agrana bringt nun den früheren Zuckerstandort in Leopoldsdorf als Alternative ins Spiel.

Was bedeutet der Verkauf für die Ardo-Bauern?

Für die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse mit ihren 500 Mitgliedsbetrieben, die gemeinsam 3.300 Hektar bewirtschaften, geht es um eine zentrale Absatzmöglichkeit. Diese Höfe setzten 2025 etwa 40.000 Tonnen Erntegut an Ardo ab, was einem Warenwert von ungefähr 18,5 Millionen Euro entsprach.

Agrana stellt für ein mögliches Nachfolgeprojekt am Standort Leopoldsdorf etwa 30 Hektar der insgesamt rund 50 Hektar großen Fläche zur Verfügung. Vorhandene Infrastruktur wie Stromnetz, Kläranlage und Freiflächen könnten laut Agrana genutzt werden.

Wie soll die neue Gemüseproduktion funktionieren?

Das von Agrana vorgeschlagene Konzept sieht vor, dass die Landwirte eine neue Genossenschaft gründen und die Tiefkühlgemüse-Produktion künftig selbst übernehmen.

Warum zieht sich Ardo aus dem Marchfeld zurück?

Ardo begründet die geplante Schließung mit der Entfernung zum westeuropäischen Markt und einer aus Konzernsicht begrenzten Kostenwettbewerbsfähigkeit gegenüber Mitteleuropa. Der österreichische Absatzmarkt sei nach Auffassung von Ardo zu klein, um größere Investitionen zu rechtfertigen.

Am Standort Groß Enzersdorf, den der Konzern 2008 erworben hatte, arbeiten 190 Festangestellte und 50 Leiharbeiter. Für sie will Ardo nach eigenen Angaben einen Sozialplan erarbeiten.

Wie geht es am Standort Leopoldsdorf weiter?

Unabhängig vom Gemüseprojekt will Agrana den Standort Leopoldsdorf weiterhin als Zucker-Logistikhub führen; die Zuckerproduktion dort war bereits rund ein Jahr vor dem Verkauf an die PCS Holding eingestellt worden.

Einen Teil des Geländes nutzt der Schienenfahrzeughersteller Stadler auf Pachtbasis: Dort betreibt das Unternehmen seit März 2026 eine Halle, in der moderne Züge in Betrieb genommen, zugelassen und gewartet werden, darunter Hochgeschwindigkeitszüge der Westbahn sowie Doppelstockwagen der ÖBB, die dort für Typentests vorbereitet werden.

Das Areal verfügt über einen direkten Bahnanschluss. Spuhler kündigte an, seine Präsenz in Österreich ausbauen zu wollen.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.