Die US-Regierung hat Microsoft von einem wichtigen Verfahren für dauerhaftes Bleiberecht ausgeschlossen. US-Vizepräsident JD Vance begründete den Schritt mit mutmaßlichem Missbrauch des H-1B-Programms durch den Konzern. Die Regierung nimmt vorerst keine neuen Anträge von Microsoft auf dauerhaftes Bleiberecht für ausländische Mitarbeiter mehr an.

Folgen für Beschäftigte

Im vergangenen Jahr entließ Microsoft nach Angaben von Vance 6.000 amerikanische Beschäftigte und beschäftigte zeitgleich 6.300 Mitarbeiter mit H-1B-Visum. Für Beschäftigte mit H-1B-Visum bedeutet der Schritt, dass Microsoft ihnen vorerst keinen Weg zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung mehr anbieten kann.

Laut Keith Sonderling vom US-Arbeitsministerium werden von den betroffenen Unternehmen keine neuen Anträge auf dauerhaftes Bleiberecht angenommen. Betroffen sind nach Unternehmensangaben vor allem Programmierer und Tech-Experten, die laut Microsoft genauso bezahlt würden wie amerikanische Kollegen. Der Stellenabbau des vergangenen Jahres traf laut Unternehmen vor allem Management-Positionen, nicht die technischen Fachkräfte.

Warum Microsoft im Visier steht

Microsoft reichte im betreffenden Geschäftsjahr rund 6.000 H-1B-Anträge ein. Bei 80 % davon ging es laut Unternehmensangaben um Statusveränderungen oder Verlängerungen für bereits beschäftigte Mitarbeiter.

Die restlichen Anträge betrafen Personen, die sich bereits legal in den USA aufhielten, aber zuvor nicht für Microsoft gearbeitet hatten. Genau diese Kombination aus Entlassungen und gleichzeitiger Visa-Nutzung wertet die Regierung als Hinweis auf Missbrauch des Verfahrens.

Weitere Firmen betroffen

Microsoft steht nicht allein: Auch Adobe und mehrere Beratungsunternehmen werden laut Sonderling vom Verfahren ausgeschlossen. Nach Angaben von Keith Sonderling haben acht betroffene Unternehmen seit 2009 insgesamt fast drei Millionen Anträge für ausländische Arbeitskräfte eingereicht und dabei mehr als 230.000 H-1B-Genehmigungen sowie über 100.000 Permanent Labor Certifications erhalten.

Arbeitnehmer, die über Outsourcing-Firmen rekrutiert wurden, verdienen laut Vance im Schnitt 48.000 US-Dollar weniger als vergleichbare amerikanische Beschäftigte; bei Visa-Inhabern aus solchen Vermittlungen liegt der Abstand bei rund 20.000 US-Dollar.

Ermittlungen an Universitäten

Parallel nimmt die Regierung neun renommierte US-Universitäten ins Visier, darunter Harvard, Yale und Stanford. Nach Angaben des Arbeitsministeriums laufen dort bereits Ermittlungen wegen mutmaßlichen Missbrauchs von J-1-Austauschvisa.

Laut Vance nutzen diese Hochschulen J-1-Visa-Inhaber für 61 % ihrer staatlich finanzierten Zuschüsse, während der nationale Durchschnitt bei 38 % liegt. Amerikanische Doktoranden und Forscher verdienen demnach rund 20.000 US-Dollar mehr als vergleichbare Kollegen mit J-1-Status.

Seit Gründung der Betrugsermittlungsgruppe unter Vance kam es laut Anthony D’Esposito zu 171 Anklagen, 203 Verurteilungen und 80 Verhaftungen wegen Visa-Betrugs; dabei seien für Steuerzahler rund eine Milliarde US-Dollar identifiziert worden. Die Ermittlungen laufen vor der US-Parlamentswahl Anfang November 2026, bei der das gesamte Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu bestimmt werden.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.